
New York Times / 09-Jan-2006
Nicolai Ouroussoff beschreibt in seinem Artikel"Trying to save Berlin Relic From the Dustbin" die Hassliebe der Berliner zum Palast der Republik. Der 1976 eröffnete Sitz des Ostdeutschen Parlaments, eine riesige Stahl- und Betonkonstruktion, wurde zu einem Emblem einer zugrunde gegangenen Republik.Dieses Emblem kann jetzt schon bald abgerissen werden. Nur wenige weisen auf Elemente einer möglichen Schönheit hin und setzten sich für die Erhaltung des Palasts ein.
Ihr Versuch das Bauwerk zu schützen ist ein Kampf gegen eine Zensur der Geschichte. Diese Art der Vergangenheitsbewältigung hat die Regierung der DDR 1950 begangen, als das Berliner Stadtschloss, als Symbol des Nationalstolz verpönt, abreissen liess um an seiner Stelle den Palast der Republik wachsen zu lassen.
Als Bauwerk der prädominierenden Funktionalität beherbergte der Palast einen der technisch fortgeschrittensten Konzerhallen, eine grosse Lobby, mehrere Restaurants und eine Diskothek und wurde dadurch als der Mittelpunkt des öffentlichen Lebens in Ost-Berlin angesehen.Die Innenräume sind
architektonisch interessanter, als die Fassaden. Besucher aus New York könnten sich im Anblick der grossen Treppe in der Eingangshalle an das Metropolitan Museum of Art erinnert fühlen.
Aber auch weitere Assoziationen zu avantgardistischen Bauwerken können aufkommen. Zu Cedric Prices Fun Palaceder 1961 für Ost London geplant aber nie gebaut wurde, zum Lincoln Center, das wegen seiner Opulenz von vielen als Beispiel schlechtenGeschmacksabgestempelt wurde oder zu Rem Koolhaas
Congrexpo, die 1994 in Lille errichtet wurde. Alles Versuche, die chaotische Intensität einer Stadt in ein Gebäude zu stecken.
Wie fast alle setzten sich die Deutschen lieber mit der weit zurückliegender Vergangenheit auseinander, als mit der unmittelbaren. In den letzten Jahren wurden zahlreiche Bauwerke der NS Zeit renoviert,
wie das 1936 erbaute Olympiastadion in der 2006 das Endspiel der Fussball Weltmeisterschaft stattfinden wird.Im Vergleich dazu ist die Generation die den Palast errichtet hat noch am Leben. Der Konflikt
um das Bauwerk ist zugleich ein Konflikt zwischen Generationen, der unvermeidliche Bruch zwischen Eltern und Kinder. Die jüngeren Architekten scheinen erkannt zu haben, dass Emotions geladene Gebäude
oft die schutzbedürftigsten sind und dass wir es sind, die die Form der zukünftigen architektonischen Geschichte gestalten. Die Struktur des Palasts sollte zu einem Rahmenwerk für neue Ideen werden.
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